Dezember-Alltag

Wie viele andere, bin auch ich von Ullis Idee inspiriert, meinen Alltag in zwölf Monaten auf eine ganz spezielle Art und Weise zu betrachten. Wie bei allem, bin ich etwas spät dran, um damit zu beginnen, aber besser spät als nie, so heißt es doch, oder nicht? Was also schenkt mit der Dezember-Alltag, was andere Monate nicht für mich bereithalten?

Von Stille und Neuanfang

Der Dezember ist von unglaublich vielen Gegensätzen gekennzeichnet und weckt verschiedene Gefühle in mir. Das hängt zum einen natürlich mit der nahenden Weihnachtszeit zusammen. Der Duft von Kerzen und Keksen liegt in der Luft, die Lichter an den Häusern verkünden die Vorfreude auf das kommende Fest und das gemeinsame Kaffetrinken an den Adventssonntagen hat einen ganz eigenen und besonderen Charme.

Zum anderen steht der Dezember aber auch für einen Neuanfang, den ich mit der Wintersonnenwende in Verbindung bringe. Unabängig von Silvester beginnt mit ihr ein neues Jahr für mich. Die Tage werden wieder länger, das Licht kehrt zurück. Ich freue mich auf darauf, wieder neu zu starten, bin voller Tatendrang und Ehrgeiz.

Gleichzeitig genieße ich die Stille und die Kälte, die mit dem Winteranfang einhergehen. Das Einatmen der eisigen Luft bringt das Gefühl von Leben zurück, besonders dann, wenn das Licht des Hauses von draußen zu sehen ist. Das sanfte Licht, das Wärme und Geborgenheit verpricht.

kraftspendende Routine

Am meisten genieße ich in diesem Dezember jedoch die morgendliche Routine mit meinem Sohn. Sobald er morgens um sieben Uhr, wenn es noch dunkel ist, erwacht, gehe ich zu ihm. Ich liege bereits seit einer Stunde wach im Bett, habe meinen Mann verabschiedet, der schon das Haus verlassen hat, und kuschel mich unter meine warme Decke. Dann höre ich ihn, wie er sich im Nachbarzimmer streckt und mit seinem Nuckel an das Gitterbett schlägt – mein Zeichen. Ich schleiche zu seinem Bett und sehe ihn mir an. Das kleine Nachtlicht scheint auf sein Gesicht und ich finde, er ist wunderschön. Er sieht mich und lächelt, setzt sich aufrecht hin und streckt die Arme nach mir aus. Ich nehme ihn in seinem kleinen Schlafsack hoch und wir gehen gemeinsam in die Küche, wo er ganz genau weiß, was passiert.

Ich schalte das kleine Küchenlicht ein, das nur einen Teil des Raumes erhellt. Mein Sohn zeigt auf den Küchenschrank, wählt eine Tasse und wir gehen zum Wasserhahn, damit er etwas trinken kann. Währenddessen lässt er weder mich, noch seinen Nuckel los. Nachdem er getrunken hat, kuschelt er sich an mich und wir schauen zum Fenster, denn wir sind nicht die einzigen, die die Rountine schätzen. Unsere Katze springt auf das Fensterbrett, setzt ihre Pfoten ans Fenster und bedeutet uns, dass sie zu uns kommen möchte. Ich öffne das Fenster und mein Sohn fängt vor Freude an zu quietschen. Wir begrüßen die Katze und geben ihr Futter. Dann bekommt auch mein Sohn ein kleines Stück Brot, das er jeden Morgen vor dem eigentlichen Frühstück knabbert.

Er ist weiterhin in meinem Arm, wir gehen ins Wohnzimmer und schalten auch dort ein kleines Licht und leise Musik ein. Gemeinsam sitzen wir auf dem Sessel, er knabbert an seinem Brot und ich halte ihn dicht bei mir. Es ist ein Moment voller Liebe, Geborgenheit und Wärme, anders kann ich es nicht beschreiben. In diesem Augenblick fühle ich tiefe Dankbarkeit.

Nach und nach kommt das Licht und verkündet den neuen Tag – und wir sind bereit, ihn zu beginnen.

Was nun ist also mein Beitrag für das Alltags-Projekt?

Während ich überlegte, was meinen Alltag im Dezember ausmacht, fiel mir als erstes die morgendliche Routine mit meinem Sohn ein, die fast jeden Tag identisch wiederholt wird. Zwar starten wir unseren Tag zu dieser Jahreszeit stets in der Kälte und Dunkelheit des Morgens, allerdings empfinde ich das nicht als schlimm. Ich finde sogar, dass es etwas ganz wunderbares ist. Denn diese Ruhe und stille Zufriedenheit hält nur der Dezember für uns bereit. Aus diesem Grund wird mein Beitrag in diesem Monat ein Dezember-Haiku sein. Kein Meisterwerk, aber ein Gedicht, das den Dezember-Alltag aus meinem kleinen Blickwinkel heraus beschreibt.

Ein wärmender Schein

führt aus zarter Dunkelheit

Der Morgen erwacht

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2 Gedanken zu “Dezember-Alltag

  1. Welch ein zärtlich inniger Alltagsbeginn! Ich habe deine Geschichte und dein Haiku sehr gerne gelesen. Ich danke dir von Herzen für diesen Beitrag zum Projekt und wünsche dir einen friedlichen und innigen Dezember – auch für mich beginnt mit der Wintersonnenwende das neue Jahr, wann immer ich kann wird diese Nacht bei mir zelebriert.
    Liebe Grüße
    Ulli – schön, dass du dabei bist!

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  2. Pingback: Alltag 3 |

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